Künstliche Intelligenz in Gerichtsverfahren: Chancen und Risiken für die Parteien

Die Anwendung von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Rechtsbranche bringt erhebliche Veränderungen mit sich und kann insbesondere bei Gerichts- und Schiedsverfahren zu entscheidenden Effizienzsteigerungen führen – nicht nur für die Justiz, sondern gerade auch für die Parteien. Dies birgt aber auch Risiken. Bei Raue sind wir uns dieser Herausforderungen bewusst und setzen gezielt auf einen verantwortungsvollen Umgang mit KI-Technologien.

I.           Chancen

1.         Effizienzsteigerung bei Sachverhaltsaufarbeitung

Die Nutzung von KI-Technologien zur Analyse umfangreicher Datenmengen kann besonders bei komplexen Rechtsstreitigkeiten (Complex Litigation) von großer Bedeutung sein. Durch Techniken wie Machine Learning und Natural Language Processing kann eine Vielzahl von Dokumenten – etwa eine umfangreiche E-Mail-Sammlung – effizient ausgewertet werden („E-Discovery“), was die anwaltliche Arbeit in komplexen Fällen erheblich unterstützen und beschleunigen kann.

2.         Mustererkennung und Urteilsanalysen

Erhebliche Potenziale birgt auch die KI-gestützte Auswertung rechtlicher Dokumente wie Gerichtsentscheidungen. KI-Systeme sind in der Lage, Muster und Zusammenhänge in großen Datenmengen zu erkennen. Diese Mustererkennung kann auch bei der Analyse früherer Urteile genutzt werden und perspektivisch dabei helfen, strategische Entscheidungen zu treffen und Prozessführung zu optimieren.

3.         Automatisierung der Dokumentenerstellung

Eine weitere Möglichkeit, die KI bietet, ist die Automatisierung der Dokumentenerstellung. Durch die Verwendung von Textbausteinen und Logiken können nicht nur vorläufige Vertragsentwürfe, sondern auch erste Schriftsatzentwürfe effizient erstellt werden. Dies führt gerade auch in großen (Massen-)Fällen, in denen viele ähnliche Dokumente benötigt werden, zu erheblichen Zeit- und Kostenersparnisse. Bei Raue setzen wir bei Bedarf solche Systeme ein.

II.         Risiken

1.         Datenschutz und Mandatsgeheimnis

Ein zentraler Aspekt bei der Nutzung von KI in Gerichts- und Schiedsverfahren ist der Datenschutz und das Mandatsgeheimnis. Bei Raue setzen wir ausschließlich KI-Systeme ein, die umfassende Datenschutzstandards erfüllen und das Mandatsgeheimnis wahren. So stellen wir sicher, dass die Daten unserer Mandanten jederzeit geschützt bleiben. Insbesondere muss stets gewährleistet sein, dass konkrete Informationen über Unternehmen und das (schieds-)gerichtliche Verfahren nicht zu Trainingszwecken an KI-Systeme übermittelt werden.

2.         Fehlinterpretationen

Obwohl KI-Systeme herausragende Unterstützung bieten können, sind sie keinesfalls unfehlbar. Fehlinterpretationen und Fehlentscheidungen können erhebliche Auswirkungen auf den Ausgang eines Gerichtsverfahrens haben.

Bei Raue gilt der Grundsatz, dass unsere Anwältinnen und Anwälte die von KI gelieferten Hilfestellungen und Ergebnisse niemals unbesehen übernehmen und stets kritisch hinterfragen.

Fazit

Im Rahmen von (schieds-)gerichtlichen Verfahren bietet die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) erhebliche Chancen, geht jedoch auch mit signifikanten Risiken einher. Die Automatisierung in der Dokumentenanalyse und -erstellung kann Prozesse optimieren und fundierte Entscheidungen untermauern. In diesem Zusammenhang sollte der Schutz der Mandantendaten und die kritische Überprüfung aller KI-gestützten Ergebnisse stets höchste Priorität genießen.

Bei Raue setzen wir diese Prinzipien in die Praxis um. Durch die Verbindung von rechtlicher Expertise und technologischen Innovationen ermöglichen wir eine optimale Unterstützung unserer Mandanten. Dabei steht der verantwortungsbewusste Umgang mit KI und die Sicherheit der Mandantendaten im Mittelpunkt.

(27. November 2023)